Valentin Pfeifenberger
Valentin „Voitl“ „Pfiffi“ „Pfeif“ Pfeifenberger, * 13. November 1914 in Zederhaus, † 7. Juli 2004 in Tamsweg; Geistlicher Rat, Priester, „Lungauer Bischof“, „Ehrenbischof“ der „Vereinigten zu Tamsweg“.
V. Pfeifenberger wurde als drittes von sieben Kindern in eine kleinbäuerliche Familie in Zederhaus im Salzburger Lungau geboren. Der Vater übte als Zuerwerb mehrere bäuerliche Gewerbe wie das Rechen-, Sensenstiel- und das Schlittenmachen aus - fallweise auch die Gerberei. Aufgrund seiner herausragenden schulischen Leistungen konnte Pfeifenberger nach der Volksschule das Borromäum in der Landeshauptstadt besuchen. Nach der Matura entschloss sich Pfeifenberger zum Theologiestudium. Seine Primiz feierte er am 19. Mai 1940 in Zederhaus. Obwohl der Regens des Priesterseminars ihn in einer wissenschaftlichen Karriere sah, entschied sich Pfeifenberger für den Weg der Seelsorge. „Da ging ich den Weg der körperlichen Arbeit. […] Ich ging den bäuerlichen Weg. […] Das war es auch, was man mir öfter vorhielt, dass ich so grob sei und grobe Ausdrücke gebrauche […], denn sonst sei ich sehr feinfühlig […].“ 1) Pfeifenberger wirkte als Kooperator in Vigaun, Wagrain und Unken. In Unken setzte er sich 1946 für die Wiederbelebung des „Tresterer“-Brauches 2) ein, der seit den 1930er-Jahren verschwunden war. Weiters entwickelte er dort sein von Sagen und eigener Fantasie angereichertes Untersbergspiel (Erstaufführung 1948, gedruckt im Selbstverlag 1971), das er später in Thomatal öfter aufführte.
An Pfeifenbergers Berufsjahre in den unwegsamen Seitentälern des Tiroler Unterlandes erinnerte seine pittoreske Tracht der „Wildschönauer Sturmlöder“ 3), die er auch im Lungau gerne trug. Er war Kooperator der Pfarre Ellmau und von 1951–56 unter teils vormodernen Umständen Pfarrer von Thierbach. 1956 kehrte er ins Land Salzburg zurück und übernahm die Pfarre Thomatal im Lungau.
Dort entwickelte er sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem besonderen, in seinem Habitus mitunter skurrilen, aber einfühlsamen und leutseligen „Pfarrer zum Angreifen“. Er bemühte sich, viel Kontakt zu seinen Pfarrmitgliedern zu bekommen, besuchte viele Bauernhöfe und schrieb Gebete und Bräuche auf. Die Thomataler Kirche hatte damals noch keinen Strom, daher auch kein elektrisches Licht. Es gab keinen Volksaltar, gepredigt wurde öfter von der Kanzel.
Zur Verdeutlichung der Karwochen-Geschehnisse und der Osterfeiern verwendete Pfeifenberger aus eigener Fantasie und biblischen Berichten bzw. vormoderner Literatur gewonnene Verbildlichungen, wie z. B. einen „Karfreitagsbaum“ in der Liturgie. Gelegentlich führte der Eigensinn Pfeifenbergers auch zu Handlungen, die kirchenrechtlich umstritten waren, die er aber mit Nächstenliebe oder innerer Betroffenheit etc. begründete. Seine tiefe Gläubigkeit und seine große Marienverehrung kamen in Pilgerreisen, z. B. nach Fatima 1951 zum Ausdruck. Sein pittoresker Habitus, seine Haar- und Barttracht fanden gleichermaßen Befürwortung wie Ablehnung, seine zur Schau getragene monarchistische Gesinnung und mitunter merkwürdige Lebensäußerungen waren nicht frei von Schrullen.
War Pfeifenberger in Thierbach noch selbst an der Kirchenrenovierung beteiligt, so engagierte er sich in Thomatal für die Renovierung des Pfarrhofes und der Friedhofsmauer (samt den eigenen „Exultet“-Bildern). Pfeifenberger belebte Riten wie den Eselsritt am Palmsonntag, das „Sauhaxnopfer“ (Opferung von geselchten Schweinsfüßen, aber auch lebenden Tieren, sowie von Butter, Wolle, Flachs, Brot und Eiern), und den Umritt am Georgitag. Zur historischen Erklärung dieser Rituale fand er öfter eigenwillige und nicht immer belegbare Argumente.
1959 begründete er mit den Almbauern vom Bundschuhtal den „Mahdsonntag“ am ersten Sonntag im August; die zur Almkirche gestaltete Josefshütte in Schönfeld wurde Pfeifenberger zu dessen 80. Geburtstag geschenkt.
Mit seinem unverwüstlichen Humor kam er auch den rituellen Bedürfnissen von Gemeinschaften wie den „Vereinigten zu Tamsweg“ entgegen, die ihn ab 1975 als ersten Geistlichen zu ihrem „Vereinigten-Bischof“ und später zum „Ehrenbischof“ ernannten. Zum Gaudium des Publikums ironisierte er oftmals den „Samsontanz“ mit Bartwisch (Eselskinnbacke) und Besenstiel (Lanze). Etliche Jahre lang wurden humoristische Dialoge des imitierten „Voitl“ mit dem Orts-Original „Federnbusch-Bartl“ zum wichtigen Fixpunkt im Nummernprogramm des beliebten „Mauterndorfer Faschings“, einer Faschingshochburg Österreichs. Der damalige Schützenmajor Martin Steinlechner beförderte Pfeifenberger zum Schützenkurat des Lungaus, außerdem war er Kurat der Stachelschützen Bundschuh.
Pfeifenberger erweiterte eigensinnig und -mächtig die Liturgie, insbesondere zu den Hochfesten, um überlieferte, selbst gesammelte und vormoderne Gebete, die die lokale Pfarrbevölkerung großteils goutierte, die kirchliche Obrigkeit jedoch nicht immer schätzte, in die Messe einzubauen. Auch als Komponist und Organist war Pfeifenberger tätig und schuf diverse Messen und Lieder. Ab 1961 musste er in Tamsweg dem Dechant in der Seelsorge aushelfen. Den Weg zwischen Thomatal und Tamsweg bewältigte er gerne zu Fuß, wobei er seelsorgliche Besuche am Weg einschob.
Pfeifenberger, der freiwillig-unfreiwillig zur „kirchlichen Marke“ geworden war, wurde von den begeisterten Gläubigen ehrenhalber zum „Lungauer Bischof“, zur „Lungauer Exzellenz“ ernannt. Schon zu Lebzeiten wurde sein legendärer Palmeselritt in einer lebensgroßen Statue bei der Pfarrkirche zum hl. Georg in Thomatal verewigt.
Laut einer Presseumfrage aus dem Jahr 1999 war Pfeifenberger auf Platz 4 in einer Reihe der prominentesten „Salzburger“. 2024 wurde in der Nähe des Gemeindeamtes von Thomatal eine Ausstellungshalle für Valentin Pfeifenberger eingeweiht. In dieser sind Erinnerungsstücke, die die „Interessengemeinschaft Valentin Pfeifenberger“ gesammelt und aufbewahrt hat, zu sehen.
Werk:
- V. Pfeifenberger: Im Untersberg. [Untersbergspiel]. Entwurf zu einem Zeitrusticale. Ab aliquo vestigia S. Virgilii placide persequaorum. Thomatal [1971].
Literatur:
- B. Hell: Valentin Pfeifenberger. (48 Anrufungen: Materialien zu einer Lebenslitanei). In: B. Hell: Auffahrt. Graz 2019.
- A. Pichler: Voitl. Erinnerungen von und an Valentin Pfeifenberger und eine Dokumentation seiner Hinterlassenschaft. Tamsweg 2015
- C. M. Hutter; W.- D. Iser: Gottselig und leutselig. Pfarrer Valentin Pfeifenberger.Tamsweg 2004.
- A.Pichler: Der Bischof vom Lungau. Valentin Pfeifenberger, Seelsorger und Menschenfreund. Tamsweg 1994
Weblinks:
Valentin Pfeifenberger (Voitl) - YouTube (Heimatverein Zederhaus, 27.10.2025)
Einzelnachweise:
1) A. Pichler (2015), S. 24-25, (aus dem Tagebuch Valentin Pfeifenbergers).
2) Ebenda, S. 28.
3) Die Wildschönauer Sturmlöder sind die Traditionsnachfolger des letzten Aufgebotes aus dem Tiroler Freiheitskrieg von 1809.
M.J.G.