Marmor: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 22. Februar 2018, 13:37 Uhr

Marmor.

Hauptsächlich verwendet wurden die beiden Salzburger Sorten: Adneter und Untersberger Marmor, die nicht nur wegen der Nähe ihrer Fundorte verwechselt werden. Der Adneter Marmor wird oft als roter Untersberger M. bezeichnet. Gewinnung und Verarbeitung des Salzburger M.s begannen mit den Römern. (Gleichzeitige Verwendung beider Marmor-Sorten, Mosaikböden.) Unterbrechung in der Gewinnung bis zur romanischen Zeit, dann wieder gleichzeitige Verwendung beider Sorten (z. B. Stufenportale →St. Peter, →Franziskanerkirche in Salzburg). Steigende Beliebtheit des Adneter Marmor in der Gotik und Zurückdrängen des Untersberger Marmors.

Adneter Marmor: roter Marmor, in allen Ausbildungen verwendet, weniger die andersfarbigen Sorten. Übertrifft in Alter, Vorkommen und weiter Verbreitung schon im MA. alle österr. und viele ausländische Marmore. Sein Vorteil: auch bei geringer Stärke der Platte sind große Ausmaße aus den Schichten zu gewinnen. Verwendung: Romanik: einfacher Adneter Marmor für Kreuzgänge, Portallöwen, Stufenportale; Gotik: Taufsteine, Ambonen, vor allem Grabsteine (→Grabmale). Verfrachtung bis Wien, Bayern, Schwaben, Polen, Ungarn etc. Ungemusterter Adneter Rot bis ca. 1475; Rotscheck und Rottropf (starke weiße Äderung und Einschlüsse) nicht vor 1450. Im letzten V. des 15. Jh.s durch bessere Technik Relief bis Vollplastik möglich (Spitzenleistungen: Friedrichsgrabmal in St. Stephan, Wien, Grabdenkmal König Kasimir Jagiellos in Krakau von Veit Stoß); gleichzeitig Wechsel der Gesteinsmode nach Farbauswahl: 1490-1510 Bevorzugung der grob und kontrastreich gemusterten Marmore (Rottropf, Rotscheck und Mandlscheck).

Zu dieser Zeit künstlerischer und mengenmäßiger Höhepunkt der Salzburger Marmorarbeiten (Kaiserdenkmal für Speyer; →Valkenauer). Im 16. Jh. reiche Marmorreliefarbeiten in Verbindung mit andersfarbigem Marmor (vor allem Altäre). Ende 17. Jh. wieder Vorliebe für dekorativen roten und rotbunten Marmor (Kirchen, Stifte, Residenzen), wenig Export, da Konkurrenz der ital. Marmore. Anfang 18. Jh. vor allem Sockelverkleidungen in Prunkräumen in bewusster farbiger Wirkung (→Residenz/Salzburg, Oberes Belvedere/Wien). 18. Jh. auch Mischung mit anderen Marmoren und Verwendung von Kunstmarmor und Nachahmungen in Holz. Ab dem Frühbarock Adneter Marmor (rotgrauer Schnöll) als Normalausstattung der Kirchenpflasterung. Ab 1750 Änderung des Farbgeschmacks: Zurücktreten der roten Marmore und Bevorzugung der gebrochenen Farben. Der Klassizismus verwendet vor allem grauen, rotgrauen Schnöll, auch Graulangmoos- und Schwalberbruch-Marmor, blasse Tropf-Marmore (Gelb-, Grau- und Grüntropf, Urbano). Das 19. Jh.: Adneter Marmor für Monumentalbauten König Ludwigs von Bayern und die Monumentalbauten der Ringstraße in Wien (24 monolithe, 8 m hohe Säulen im Wiener Parlament). 20. Jh.: dünne Platten als Verkleidung; nach 1938 Autobahnbrückenverkleidung und Reichskanzlei, Berlin; Nachkriegszeit: Restaurierungen, Bahnhöfe, öffentliche Gebäude und Geschäftslokale. Adneter Marmor in den Durchhäusern Salzburgs, an Stiegen und Portalen der Landsitze und Adelsschlösser; in Bauernhäusern des Flach- und Tennengaues für Haustürrahmen, Fenstergewände, Stufen, Flurböden und Vorsatzpflasterung, auch Brunnen, Futterkrippen, Tröge und Tischplatten.

Untersberger Marmor: als »der« Salzburger Marmor bezeichnet; selten mit Versteinerungen. Lichter Untersberger Marmor: meist lichtgelblich, auch rosarötlich bis gelb, und weiß (Forellen- Marmor mit roten Geröllchen). Außerordentliche Festigkeit und Wetterbeständigkeit, Verwendung für Freiplastiken (Residenzbrunnen) und technische Arbeiten (Seziertische etc.). Keltischer Kopf (heute →Salzburg Museum) als ältestes Beispiel; in römischer Zeit für Grabsteine, Meilensteine (»Römersteine«). Im 12. und Anfang 13. Jh. vor Adneter Marmor führend für Architekturteile (Säulen, Kapitelle etc.); ab Mitte des 13. Jh.s gegen Adneter Marmor zurücktretend (2. H. 14. Jh. gute Nachahmungen in Steinguß). In Renaissance und Barock Nutzung sprunghaft ansteigend (Bauten der Eb.; Statuen und Fassadenverkleidung des neuen Doms). Im 17. Jh. ist Untersberger Marmor der Statuenmarmor schlechthin, auch über die Grenzen hinaus (Monumentaltreppe im Schloß →Mirabell; Pestsäule in Wien). Im 18. Jh. allmählich auch in bürgerlichen und bäuerlichen Häusern. Zu Anfang des 19. Jh.s Aufschwung in der Steingewinnung und Verschickung nach Bayern. Im 20. Jh. als »volkstümlicher« Marmor in Bauten verwendet (Fußböden, Wand- und Pultverkleidungen). Der denkmalgeschützte, prunkvolle Marmorsaal (Adneter Marmor), seit 1949 im Hauptbahnhof der Stadt Salzburg als Restaurant und für Galadiners genutzt, 2009 abgetragen und deponiert, 2016/17 als Attraktion im Augustiner Bräu in Salzburg Mülln wieder aufgebaut.

Techniken:

  • Bemalung: vor allem bei lichtem Untersberger Marmor (barocke Grabsteine)
  • Ätzung: bei Adneter Marmor ab 1560, beim Untersberger Marmor erst seit Anfang des 18. Jh.s, selten
  • Niello: Einlegen andersfarbiger Masse bei beiden Sorten

Lit.:

  • Ch. Brandhuber / M. Fussl: In Stein gemeißelt- Salzburger Barockinschriften erzählen. Salzburg 2017.
  • F. Kretschmer: Marmor aus Adnet. Heimatbuch Adnet, 1. Bd., Salzburg 1986.
  • F. Kieslinger: Die nutzbaren Gesteine Salzburgs. Salzburg 1964.
  • Ch. Uhlir (Hg.): Untersberger Marmor: Entstehung, Geschichte, Material und Abbau. Salzburg 2006.
  • Ch. Uhlir (Hg.): Adneter Marmor. Entstehung, Material, Abbau, Geschichte und seine Bedeutung als Kulturerbe. Norderstedt 2011.

Ch.S.